Bei der Studie in Zusammenarbeit mit 53 Hausärzten waren 453 Patientinnen und Patienten mit Atemwegsinfektionen untersucht worden, wie Professor Beat Müller, Chefarzt Innere Medizin im Kantonsspital Aarau (KSA), an einer Medienkonferenz der Schweizerischen Union für Labormedizin (SLUM) in Aarau sagte.
Bei der Hälfte der Patienten, die aus der Nordwestschweiz stammten, wurde das Blut auf den Biomarker Procalcitonin (PCT) untersucht. Der PCT-Gehalt ist bei Entzündungen im Blut in der Regel erhöht. Aufgrund der Bluttests wurden 72 Prozent der Patienten nicht mit Antibiotika behandelt.
Der zu häufige Einsatz von Antibiotika führt zu Resistenzen. Eine bakterielle Infektion lässt sich dann nicht mehr mit Antibiotika bekämpfen. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) sterben in der Schweiz pro Jahr 80 Personen an der Folge von Resistenzen.
Kaum längere Beschwerden
Die an der Studie beteiligten Patienten wären ohne Bluttest mit Antibiotika behandelt worden, obwohl sie nicht an einer bakteriell bedingten Atemwegsinfektion litten, wie Müller betonte. Antibiotika wirken einzig bei bakteriellen und nicht bei viralen Infektionen.
Diese Patienten erhielten weniger oder überhaupt keine Antibiotika verordnet. Sie hatten im Durchschnitt keine relevant längeren Beschwerden wegen der Atemwegsinfektion als Patienten mit Antibiotika, wie die Studie ergab.
Akute Infektionen der Atemwege sind gemäss Müller der häufigste Grund für die Verschreibung von Antibiotika bei grundversicherten Patienten. Die Diagnose für den Einsatz von Antibiotika sei für Hausärzte schwierig und mit herkömmlichen Mitteln unzuverlässig.
SF Tagesschau, 18.5.2009