Schweinegrippe - Spitäler setzen auf Maske statt Impf-Zwang

ZÜRICH – Ärzte und Pflegepersonal müssen sich nicht gegen die Schweinegrippe impfen. Je nach Pandemie-Verlauf könnte aber die Maske Pflicht werden.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen jetzt in Spitalpflege. Die Impfung gegen die Schweinegrippe ist vor einer guten Woche angelaufen. Doch das Spitalpersonal ist offenbar «immun» dagegen (Blick.ch berichtete). Erst wenn jeder dritte geimpft ist, der Sie behandelt, sind Sie in sicheren Händen.

Das Bundesamt für Gesundheit legt den schützenden Pieks zwar allen «Beschäftigten im Gesundheitswesen mit Kontakt zu Kranken» nahe. Diese sind auf dem Infoblatt zur Impfung sogar vor Säuglingsbetreuern, Schwangeren oder chronisch Kranken genannt. Doch dazu zwingen kann man sie rechtlich nicht.

Jeden zweiten Spital-Angestellten impfen?

Das Uni-Spital Basel hat sich zum Ziel gesetzt, 50 Prozent seiner Angestellten mit Patientenkontakt gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. Diese machen laut der «Tagesschau» von gestern halbwegs mit: 30 Prozent der Basler Belegschaft sind bereit, dem H1N1-Virus mit der Spritze den Kampf anzusagen.

Im Notfall – wenn die Pandemie dramatisch werden sollte – will das Basler Spital aber bestimmte Personengruppen ausdrücklich zur Impfung bewegen. Dies haben auch die Kollegen im Berner Inselspital diskutiert, und entschieden: Zur jetzigen Zeit macht ein Impf-Zwang keinen Sinn.

Nächster Schritt Maske – und Markierung

Das Uni-Spital Zürich rechnet damit, dass sich 40 Prozent seiner Angestellten freiwillig impfen lassen. Christian Ruef, Leiter der Spitalhygiene, hat aber eine Alternative zum Impf-Zwang: «Wenn die Welle noch mehr anzieht (...), dann muss man Masken tragen.»

Im Genfer Uni-Spital zeigen Masken laut der «Tagesschau»: Dieser Angestellte ist nicht geimpft. Impf-Verweigerer werden so markiert – und Patienten geschützt: «Eine gute Idee», sagt Margrit Kessler, Präsidentin der Stiftung Patientenschutz SPO, gegenüber Blick.ch. «Und kein Problem: Ich habe selbst 25 Jahre lang mit einer Maske gearbeitet.»

Kein Recht auf geimpfte Betreuer

Patienten hätten zwar kein Recht auf geimpfte Betreuer, so Kessler. Auch ein Impf-Zwang an Spitälern sei keine Option. «Doch Ärzte und Pflegende müssen sich vor der Schweinegrippe schützen – und damit ihre Patienten.» Das wichtigste sei nach wie vor, Hygienemassnahmen wie das Händewaschen ernst zu nehmen.

«Die Schweinegrippe ist keine besonders gefährliche Krankheit, aber sehr infektiös. Darum macht eine allfällige Maskentragpflicht an Spitälern durchaus Sinn», meint Patientenschützerin Kessler. Ihre Stiftung hat wenige Anfragen zum N1H1-Virus und den Impfungen. «Und wenn, dann meistens von Journalisten.»

Von Raphael Diethelm, 17.11.2009
www.blick.ch/news/schweiz/maske-statt-impf-zwang-133550